Gott ist der Retter aller Menschen (1.Tim.4:10)

(God is the Saviour of All Men)

Dieter Landersheim

 

Welch eine herrliche Botschaft haben wir doch zu verkündigen: Gott ist der Retter aller Menschen! Wir tun das nicht nur deshalb, weil wir dazu angewiesen sind (1.Tim.4:11), sondern weil wir uns von Herzen darüber freuen.

Das Wort der Wahrheit bezeugt uns dies im Einzelnen. Hören wir zunächst auf bestimmte Dreiklänge im ersten Timotheusbrief und im Kolosserbrief.

Gottes Wille

Das zum Auftakt zu unserem Thema aus dem ersten Timotheusbrief ausgewählte Wort lautet: »Gott, unser Retter, will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1.Tim.2:4).

Betrachten wir zunächst die Tatsache, dass Gott unser Retter ist.

Er rettet uns vor der Strafe für unsere Sünden (Röm.8:1,33). Er rettet uns des Weiteren von der Herrschaft der Sünde (Röm.6). Wir werden vor dem Zorn Gottes gerettet werden, denn wir sind in Christi Blut gerechtfertigt; hat Gott doch Seine Liebe uns gegenüber schon dadurch hervorgehoben, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. Nun aber sind wir Gerechtfertigte. Umso gewisser wird uns Gottes Zorn nicht ergreifen (Röm.5:8,9). »Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott durch den Tod Seines Sohnes versöhnt wurden, wieviel mehr werden wir, nun versöhnt, in Seinem Leben gerettet werden!« (Röm.5:10). Ja, wir rühmen uns in Erwartung der Herrlichkeit Gottes (Röm.5:2)!

Und wir werden aus dem Tod gerettet, denn »die Gnadengabe Gottes ist äonisches Leben in Christus Jesus, unserem Herrn« (Röm.6:23). Wir werden also in den beiden zukünftigen Äonen leben, während die Ungläubigen noch tot sind. Der Lobpreis und die Verherrlichung sei unserem Gott, dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!

Das Schriftwort in 1.Timotheus 2:4 besagt, dass Gott unser Retter ist, aber alle Menschen retten will. Die Gläubigen werden hier allen Menschen gegenübergestellt. Das, was Er uns zukommen ließ, will Er allen zuteil werden lassen. Vom Satan geblendet, damit ihnen der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus nicht erstrahle (2.Kor.4:4), können die Menschen nicht von selbst zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Gott aber, der seinerzeit gebot: Aus der Finsternis leuchte das Licht, der ist es, der es in den Herzen der Auserwählten aufleuchten lässt zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi (2.Kor.4:6).

Gott will. Kann Er Seinen Willen durchsetzen? Das steht außer Frage, denn Er bewirkt alles, und zwar nach dem alles überwaltenden Ratschluss Seines Willens (Eph.1:11). Kann ein Mensch oder der Satan die Durchführung Seines Willens verhindern? Nein, die Schrift ist voll von Berichten der Widerspenstigkeit, aber Gott erreicht stets Sein Ziel. So bezeugte zum Beispiel die Gemeinde in Jerusalem nach der Freilassung des Petrus und Johannes: Die Könige und Fürsten versammeln sich gegen den Herrn und Seinen Christus, um letztlich alles auszuführen, was Gottes Hand und Ratschluss vorherbestimmt hatten, dass es geschehe (Ap.4:26,28). Und Stephanus schildert in seiner Verteidigungsrede die vielfache Widerspenstigkeit Israels gegen seine von Gott bestimmten Führer und Retter, zum Beispiel gegen Joseph, den die Urväter nach Ägypten verkauften, und gegen Mose, den sie nicht als Fürsten, Erlöser und Richter anerkennen wollten. Gott aber erfüllte Seine Verheißungen (Apg.7). Dass Gott trotz des Widerstandes zum Ziele kommt, erweist gerade Seine Allmacht. Ohne Widerstand würde Seine Allmacht nicht so deutlich werden. Der Apostel Paulus darf uns noch mehr zeigen: Gott schließt alle zusammen in Widerspenstigkeit ein – ja, Gott Selbst tut es, denn Er allein ist Gott, Er ist der alles Verfügende und alles Bewirkende –, damit Er sich aller erbarme (Röm.11:32; Eph.1:11).

Es ist nicht ungerecht, dass Gott Sich während der Äonen nur derer erbarmt, derer Er will, und die verhärtet, welche Er will (Röm.9:18), denn durch die Unterschiede will Er alle belehren (Röm.9:23); unser Vorgezogensein macht durch den augenfälligen Unterschied zu den Nichtberufenen den Wert des Gesegnetseins bekannt. Und Er bringt sie ja alle zum Ziel: zu Sich hin, denn zu Ihm hin ist das All (Röm.11:36).

Gottes Weg

In 1.Timotheus 2:5,6 lesen wir: »Gott ist einer, ebenso ist einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der Sich Selbst für alle zum Ersatz-Lösegeld gibt.«

Es ist ein Gott für alle Menschen und ein Mittler zwischen Gott und den Söhnen Adams, Christus Jesus, der hier als Mensch bezeichnet wird. Denn Christus ist nicht nur Sohn Abrahams, der allen Gläubigen Segen bringt, und Sohn Davids, der das Königreich Israels herbeiführt, sondern Sohn Adams und als solcher Mittler für das gesamte menschliche Geschlecht.

Christus Jesus gab Sich Selbst für alle – für alle ohne Ausnahme, denn wer etwa bedürfte Seines Blutes nicht? Zum Ersatz-Lösegeld, das heißt anstatt eines Lösegeldes, gab Er Sich. Er Selbst ist unvergleichlich mehr als jedes Lösegeld.

Er gab Sich dahin für alle. Er trat für alle ein. Sollte Er auf diese Weise etwa einen Menschen nicht an Sein Herz ziehen? Sagte Er doch Selbst: »Wenn Ich von der Erde erhöht bin, werde Ich alle zu Mir ziehen« (Joh.12:32).

Das ist der Weg Gottes: Die Dahingabe Seines Sohnes. Gott führt alles durch Christus durch, sodass der Herr Jesus mit Ausschließlichkeit sagen konnte: »Ich bin der Weg ..., niemand kommt zum Vater außer durch Mich« (Joh.14:6).

Das Ergebnis

Durch Christus erreicht Gott Sein Ziel: Er wird der Retter aller Menschen werden; dies steht so fest, dass Er Sich bereits als ihren Retter bezeichnet, was Er deshalb kann, weil zwischen Seinem Willen und Seinem Tun keine Lücke klafft. So ist in 1.Timotheus 4:9-11 zu lesen: »Glaubwürdig ist das Wort und jeden Willkommens wert (denn dazu mühen wir uns und werden geschmäht), dass wir uns auf den lebendigen Gott verlassen, welcher der Retter aller Menschen ist, vor allem der Gläubigen. Dieses weise an und lehre.«

Dieser Anweisung unseres Herrn gehorchend, werde es mit Freude gesagt und gelehrt: Sein Wort ist glaubwürdig: Gott ist der Retter aller Menschen, vor allem der Gläubigen! – Übrigens: Die innere Logik dieses Satzes ist zwingend: Da Er vor allem der Retter der Gläubigen ist, muss Er auch der Retter einer anderen Gruppe von Menschen sein. Er ist – wie jeder lesen kann – der Retter aller; die Gläubigen sind gemäß 2.Thessalonicher 2:13 zeitlich vorgezogen zur Rettung, und dies wahrhaftig allein in der Gnade.

Das ist der Dreiklang des 1.Timotheusbriefes: Gott will – Christus gab Sich dahin für alle – Gott ist der Retter aller.

Jetzt können wir der Anweisung von 1.Timotheus 2:18, für alle Menschen zu danken, mit ganzem Verständnis nachkommen, weil Gott nämlich alle Menschen rettet und vollendet.

Betrachten wir nun den Dreiklang des Kolosserbriefes im Zusammenhang mit unserem Thema.

Die Schöpfung in Christus

Christus, das Abbild des unsichtbaren Gottes, ist der Erstgeborene vor einer jeden Schöpfung (Kol.1:15). »Denn in Ihm ist das All erschaffen: das in den Himmeln und das auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften, Fürstlichkeiten oder Obrigkeiten« (Kol.1:16).

An dieser Schriftstelle sehen wir, wie sehr Christus mit Seiner Schöpfung verbunden ist. »In Ihm« besagt mehr als »durch Ihn« (was selbstverständlich auch der Fall ist; 1.Kor.8:6). In der innigsten Gemeinschaft mit Christus ist das All erschaffen, eingeschlossen in Sein Herz. Wir ersehen aus Kolosser 1:16, dass auch der Satan in Ihm erschaffen ist; der ist also ein Geschöpf, abhängig von Gott. Der Widerwirker ist ein Menschentöter von Anfang an und hat nie in der Wahrheit gestanden – nie (Joh.8:44). Das muss so sein; bei unserem Gott und Vater gibt es ja nichts Ungeordnetes, nichts Ungereimtes, sondern alles hat seinen Zweck und sein Ziel.

Der gegenwärtige Bestand des Alls in Christus

Kolosser 1:17 lautet: »Er ist vor allem, und das All besteht zusammen in Ihm.« Er, Christus, ist es, der also auch im gegenwärtigen bösen Äon die Welt im Innersten zusammenhält. Der Widerwirker könnte keinen Schritt tun, wenn der, der das Leben ist, es ihm nicht ermöglichen würde. Nichts, obwohl derzeit durch die Sünde entfremdet, ist außerhalb des Christus. Alles ist Ihm vom Vater übergeben (Mt.11:27). Er trägt das All durch Sein machtvolles Wort (Heb.1:3); auch hieran ist Seine Liebe zu Seiner Schöpfung erkennbar.

Die Aussöhnung des Alls durch Christus

Die Konsequenz des bereits Dargelegten ist: »Die gesamte Vervollständigung – Gottes – hat ihr Wohlgefallen daran, in Ihm – Christus – zu wohnen und durch Ihn das All mit Sich auszusöhnen (indem Er durch das Blut Seines Kreuzes Frieden macht), durch Ihn, sei es das auf der Erde oder das in den Himmeln« (Kol.1:19,20).

Alles wird in Christus vervollständigt. Wir sind es bereits (Kol.2:10); das All wird noch in Ihm vervollständigt werden (Eph.1:23; 4:10). Vervollständigung – das ist die Vollendung, die Erfüllung, das vollkommene Verhältnis zwischen Gott und den Geschöpfen und diesen untereinander.

Der Urheber und Erhalter ist auch der Vollender. Gott hat Sein Wohlgefallen an der Vollendung; etwas anderes würde Ihm nicht entsprechen. In der Vervollständigung werden alle in Christus wohnen, das heißt in Ihm heimisch und glücklich sein. Christi Jesu Opfer wird den vollen Lohn bekommen: die Aussöhnung aller Geschöpfe mit Gott. Durch Ihn wird Gott das All mit Sich aussöhnen. Allaussöhnung: Keine Feindschaft besteht mehr, es herrscht völliger Friede, es besteht innigste Gemeinschaft mit Gott, und zwar durch und in Christus! So überströmend ist das Erbarmen Gottes, das aus Seiner Liebe quillt. Der Lobpreis und die Verherrlichung sei dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!

Das ist der Dreiklang des Kolosserbriefs: In Christus ist das All erschaffen – in Ihm besteht es – durch Ihn wird es ausgesöhnt werden.

Einwände: Das nicht erlöschende Feuer

Nun mag jemand erwidern: Aber der Prophet Jesaia sagte doch, dass die Leichen der Übertreter des Gesetzes allen zum abstoßenden Anblick werden sollen und ihr Wurm nicht sterben und ihr Feuer nicht gelöscht werden soll (Jes.66:24). – Hier ist die Gegenfrage zu stellen: Auf welche Zeitspanne bezieht sich dieses Wort Gottes? Unser Herr verknüpfte das Jesaia-Zitat mit dem Zeitraum des Königreichs Israels, als Er sagte: »Besser ist es für dich, verstümmelt in das Leben einzugehen, anstatt zwei Hände zu haben und in die Gehenna, in das unauslöschliche Feuer, zu gehen« (Mk.9:43). Unauslöschlich ist das Feuer während des tausendjährigen Friedensreiches in der Gehenna, dem Tal Hinnom unterhalb Jerusalems, wo der Abraum der Stadt verbrannt wird.

Überhaupt ist zu sagen, dass alle in der Schrift angekündigten Gerichte stattfinden werden. Die Gerichte Gottes werden aber auch alle ihren Zweck erfüllen, nämlich die Menschen für Sein Erbarmen zuzubereiten. Es ist in jedem Fall zu prüfen, wann das Gericht stattfindet, und zu fragen, was kommt danach, insbesondere nach dem letzten Gericht, von dem Johannes schreibt, dem Gericht vor dem großen weißen Thron (Off.20:11-15).

Die Äonen

Diese Frage soll zusammen mit der Erläuterung der Begriffe »Äon« und »äonisch« beantwortet werden, denn es könnte jemand einwenden: In Johannes 3:16 steht geschrieben: »So liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einziggezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt« – im Folgenden wird nach Luther zitiert – »nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe«; konkordant übersetzt – mit dem Grundtext übereinstimmend übersetzt – lautet diese Stelle: »... nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe.« Es ist festzustellen – durch Nachprüfen kann man sich Gewissheit verschaffen –, dass das siebenfältig geläuterte Wort Gottes nicht von »ewig« und »Ewigkeit« oder gar »von Ewigkeit zu Ewigkeit« spricht, sondern die Worte »äonisch«, »Äon« und »Äonen« gebraucht. Ein Äon ist eine Weltzeit, ein großer Heilszeitraum. Ein Äon ist ein langer Zeitabschnitt mit Anfang und Ende. Ein Äon ist etwas Zeitliches und somit Vergängliches. Durch Christus hat Gott die Äonen gemacht (Heb.1:2).

Der Ablauf der Äonen wird kurz skizziert; wir beginnen mit dem Geschehen vor den Äonen:

Die Gnade, deren wir jetzt teilhaftig sind, ist uns in Christus Jesus vor äonischen Zeiten gegeben (2.Tim.1:9). Gottes Weisheit, nämlich Jesus Christus, und dieser als gekreuzigt, ist uns von Gott schon vor den Äonen zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt worden (1.Kor.2:7).

Der erste Äon reicht von der Urschöpfung (1.Mose 1:1) bis zum ersten Gericht, dem Niederwurf der Welt (Eph.1:4), als die Erde ein Tohuwabohu wurde (1.Mose 1:2).

Der zweite Äon beginnt mit der Wiederherstellung der Erde und ihrer Himmel in sechs Tagen (1.Mose 1:3-2:2) und endet mit dem zweiten Gericht, der großen Flut (1.Mose 7+8).

Diese beiden Äonen werden von dem Begriff »von den Äonen an« umschlossen, der in Epheser 3:9 und Kolosser 1:26 gebraucht wird.

Der dritte Äon ist der derzeitige, in Galater 1:4 als »der gegenwärtige böse Äon«, in Epheser 1:21, 2.Korinther 4:4 und vielen anderen Stellen »dieser Äon« genannt. Dieser Äon endet mit dem dritten Gericht, dem Tag des Zorns, mit der in der Enthüllung Jesu Christi (Offenbarung des Johannes) ausführlich beschriebenen Apokalypse, der Enthüllung unseres Herrn für Sein Volk Israel.

Mehrmals spricht die Schrift von einem zukünftigen oder kommenden Äon (zum Beispiel in Mt.12:32, Eph.1:21); jener vierte Äon umfasst das Königreich der Himmel. Die in der großen Drangsal dem Herrn treu gebliebenen Juden werden darin mit Christus tausend Jahre lang auf dieser Erde als Könige herrschen (Off.20:4). Das gereinigte, wiedergeborene und gläubige Volk Israel wird alle Nationen zu Jüngern machen (Mt.28:19). Der kommende Äon schließt mit dem vierten Gericht, dem vor dem großen weißen Thron.

Darauf folgt der Untergang der jetzigen Himmel und der jetzigen Erde in Feuer, und die Verheißung der Erschaffung der neuen Himmel und einer neuen Erde wird erfüllt, wie Petrus in seinem zweiten Brief, Kapitel 3:7,13 ausführt und auch Johannes schreibt (Off.21:1).

Jener fünfte Äon ist der krönende Äon aller Äonen, in Epheser 3:21 der Äon der Äonen genannt. Er ist der abschließende Äon. Hebräer 9:26 spricht von einem abschließenden Zeitraum der Äonen, und der Apostel Paulus teilt uns mit, dass die Abschlüsse der Äonen zu uns gelangt sind in dem Sinne, dass wir bereits jetzt Segnungen erlangt haben, die Israel erst im letzten Äon genießen wird (1.Kor.10:11).

Die zwei letzten Äonen werden als die »Äonen der Äonen« beschrieben, sind sie doch die krönenden, segensreichsten in der Reihe der Äonen. So verherrlicht Paulus Gott mehrfach mit den Worten »Ihm sei die Verherrlichung für die Äonen der Äonen«, zum Beispiel in Galater 1:5.

In diesen beiden kommenden Äonen wird Gott – was uns, die Glieder des Körpers Christi, die Gläubigen in Christus Jesus, betrifft – den alles übersteigenden Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns in Christus Jesus inmitten der überhimmlischen Geschöpfe zur Schau stellen (Eph.2:7). Als in dem geliebten Sohn Begnadete werden wir dort im überhimmlischen Bereich ein herrliches Zeugnis Seiner überströmenden Gnade sein – wir werden Darsteller Seiner Gnade sein – und insofern mitwirken an dem Werk Christi, das All in allem zu vervollständigen (Eph.1:23).

Nach dem letzten Gericht

Zurück zu der Frage, was nach dem Gericht vor dem großen weißen Thron geschehen wird. Die dort zum zweiten Tode Verurteilten sind während des letzten Äons tot. Wann werden sie lebendig gemacht? »Lebendig gemacht werden« besagt übrigens mehr als »auferweckt« werden, nämlich unsterblich werden, unauflösliches Leben erhalten. Die Antwort Gottes lautet:»Ebenso wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden« (1.Kor.15:22). Welch ein herrliches Evangelium! Jesus Christus, der das Leben ist, gibt allen unvergängliches Leben. »Jeder aber (wird) in seiner besonderen Abteilung (lebendig gemacht): der Erstling Christus, darauf die Christus Angehörenden bei Seiner Anwesenheit, danach die Übrigen bei der Vollendung, wenn Er die Königsherrschaft Seinem Gott und Vater übergeben, wenn Er jede Oberherrschaft, jede Obrigkeit und Macht aufheben wird. Denn Er muss als König herrschen, bis Er – Gott – alle Seine Feinde unter Seine Füße legen wird. Der letzte Feind, der abgetan wird, ist der Tod« (1.Kor.15:23-26).

Derzeit hat nur Christus Jesus Unsterblichkeit (1.Tim.6:16). Die in der zweiten Abteilung, die Christus Angehörenden, diese sind die Gläubigen, die aus Israel und aus früheren Zeiten; insbesondere aber verkündigt der Apostel Paulus uns, der zum Dienst inmitten der überhimmlischen Orte und Geschöpfe bestimmten Körperschaft Christi, dass wir bei Seiner Anwesenheit unvergängliches Leben erhalten und verwandelt sowie entrückt werden und sodann allezeit bei unserem Herrn sein werden (1.Thess.4:13-18; 1.Kor.15:51-53). Das ist das nächste heilsgeschichtliche Ereignis überhaupt. Wie sehr dürfen wir uns darauf freuen und das Erscheinen unseres Herrn liebhaben (2.Tim.4:18).

Danach, nach den zwei herrlichen Äonen, bei der Vollendung, wird der Herr Seine Königsherrschaft Seinem Gott und Vater wieder überstellen. Jesus Christus herrscht ja im kommenden Äon als König Israels über die ganze Erde, über alle Nationen, und im letzten Äon, in der Frist der Vervollständigung, als Haupt des Alls (Eph.1:10); schließlich wird das All in Christus aufgehauptet, jeder wird Ihn als sein Haupt annehmen. Ist dieser Äon zu Ende, dann gibt der Sohn dem Vater die Herrschaft zurück, und der letzte Feind, der Tod (das ist der zweite Tod), wird abgetan, und alle werden lebendig gemacht werden. »Denn alles ordnete Er Ihm (Gott Seinem Sohn) unter: unter Seine Füße. Wenn Er dann sagt: »Alles hat sich untergeordnet!«, so ist es offenkundig, dass Gott ausgenommen ist, der Ihm das All unterordnete. Wenn Ihm (dem Vater) aber das All untergeordnet ist, dann wird auch der Sohn Selbst dem untergeordnet sein, der Ihm das All unterordnete, damit Gott alles in allen sei« (1.Kor.15:27,28).

Überwältigt von der Liebe Gottes, nach der Verurteilung zum zweiten Tod unvergängliches Leben erhalten zu haben, werden sich auch diese Menschen freudig dem Herrn unterordnen und damit den Vater verherrlichen. Gott wird allen alles bedeuten; Er wir ihr Ein und Alles sein.

»Wie es durch die eine Kränkung (Gottes durch Adam) für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch (über die Sünde am Kreuz) für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Denn ebenso wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen als Sünder eingesetzt wurden, so werden auch durch den Gehorsam des Einen dieselben vielen als Gerechte eingesetzt werden« (Röm.5:18,19). Die Tat Adams wirkte sich auf alle aus; sie wurden nicht gefragt, als sie als Sünder eingesetzt wurden. Der Gerechtigkeit Gottes entspricht es, alle wiederum ohne ihr Zutun als Gerechte einzusetzen, und dies durch Christus.

Noch drei weitere Einwände seien kurz erörtert: Die Hölle

Aber was ist denn mit der Hölle? – Sowohl das Wort als auch die inhaltliche Vorstellung davon sind der Bibel fremd. Was irrtümlich mit »Hölle« übersetzt wurde, heißt entweder Gehenna (was bereits erläutert wurde) oder Tartarus, das ist der Aufenthaltsort für sündigende Boten (2.Pet.2:4), oder hebr. Sheol und griech. Hades, das heißt Unwahrnehmbares, Ungewahrtes, frei übertragen Totenreich; die Toten sind nicht mehr und können somit nicht wahrgenommen werden; und zwar trifft das für gläubig wie ungläubig Entschlafene zu.

Das äonische Feuer und die äonische Strafe

Und was sind dann das äonische Feuer und die äonische Strafe, was die zur Linken des Herrn stehenden Nationen erleiden werden aufgrund des Gerichtsurteils des Herrn nach Seiner Ankunft zu Beginn des Königreichs Israels? (In Matthäus 25:31-46 wird das Urteil anhand der Scheidung von Schafen und Ziegenböcken dargelegt.) – Zunächst ist zu sagen, dass die Strafe, von der hier die Rede ist, eine Strafe zur Besserung ist und um des Übeltäters willen verhängt wird, griech. kolasis (streng zu unterscheiden von timoria, der Strafe zur Ahndung und Genugtuung des Geschädigten). »Feuer« steht für Leiden und Drangsal. Die Schrift beschreibt die Drangsal Israels unter den Nationen durchweg als Feuer (5.Mose 4:20; 32:22,23; Ps.66:12; Jes.43:2; Jer.4:4). Dementsprechend bedeutet das äonische Feuer für die Nationen im tausendjährigen Königreich Israels, dass das auserwählte Volk mit strenger Gewalt über sie herrschen wird. Den Überwindern aus Israel wird Vollmacht über die Nationen gegeben werden, sie mit eiserner Keule zu regieren, wie man Töpfergefäße zertrümmert (Off.2:26,27). Die Furcht davor ist schon hinreichendes Feuer, in dem die mit den Ziegenböcken verglichenen Nationen für den Äon sein werden, und erst recht der Entzug des Regens. Nach Sacharja 14:17 wird kein Regen auf die Nation fallen, die nicht nach Jerusalem hinaufziehen sollte, um den König, Jewe der Heere, anzubeten, den Herrn Jesus Christus. – So sieht die äonische Züchtigung zur Besserung der Nationen aus.

Der Widerwirker

Und was ist mit dem Satan? – Dieser ist ein Geschöpf Gottes, in Christus erschaffen wie alles Sichtbare und Unsichtbare. Die Belegstelle Kolosser 1:16 war bei der Behandlung des Kolosserbrief-Dreiklangs bereits genannt worden. Johannes schrieb: »Der Widerwirker sündigt von Anfang an« (1.Joh.3:8). So wurde er erschaffen. Er wird während des vierten Äons im Abgrund gebunden sein (Off.20:2) und am Ende des Tausendjahrreiches für kurze Zeit losgelassen werden. Während des letzten Äons wird er zusammen mit dem Menschen der Gesetzlosigkeit – in der Offenbarung des Johannes als wildes Tier dargestellt – und dem falschen Propheten tags und nachts gequält werden (Off.20:10), bis auch diese sich dem Herrn unterordnen werden. Die Allaussöhnung umfasst alle ehemals widerstrebenden Geschöpfe. Alles, was in Christus erschaffen ist (Kol.1:16), wird auch durch Christus mit Gott ausgesöhnt werden (Kol.1:20).

Der Triumph Christi Jesu

»Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus ist: der, als Er in der Gestalt Gottes war, es nicht für ein Rauben erachtete, ebenso wie Gott zu sein; sondern Er entäußerte Sich Selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleichgestaltet und in der Art und Weise wie ein Mensch erfunden; Er erniedrigte Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Kreuzestod.

Darum hat Gott Ihn auch überaus hoch erhöht und Ihn mit dem Namen begnadet, der über jedem Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge, der Überhimmlischen, Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge huldige: Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters« (Phil.2:5-11).

Christus kam vom höchsten Platz im Weltall, zur Rechten Gottes, des Vaters, und nimmt diesen Platz nach der am Kreuz vollbrachten Rettung wieder ein, noch höher erhöht als zuvor, denn nun ist Er zum Retter geworden. In der Vollendung werden Ihm auch die Letzten als ihrem Retter huldigen, und die Liebe aller wird Ihm entgegenströmen zur Verherrlichung Gottes, des Vaters. Alle werden sich dem Sohn unterordnen und in dem Sohn dem Vater, und zwar von ganzem Herzen – das Ziel der Äonen ist erreicht! Jedem Herzen wird Gott innewohnen. Danach sehnte sich Seine Liebe. Gott alles in allen! Nichts anderes entspricht Seiner Liebe!

»O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind Seine Urteile und wie unausspürbar Seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer wurde Sein Ratgeber? Wer hat Ihm etwas zuerst gegeben, damit es ihm vergolten werden wird? Denn aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin ist das All! Ihm sei die Verherrlichung für die Äonen! Amen!« (Röm.11:33-36).

(Quelle: »Aufsätze zu biblischen Themen« von Dieter Landersheim)

 



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